Auf den folgenden Seiten informieren wir über die Situation in Neulauterburg und die Arbeit der damaligen Interessengemeinschaft Neulauterburg.

In seiner wechselvollen Geschichte hat der kleine Ort schon vieles ertragen müssen. Anfang der 60-iger Jahre entwickelte sich Neulauterburg zum größten Grenzumschlagplatz in Rheinland-Pfalz mit bis zu 50.000 Lastkraftwagen jährlich. Unter dieser ungeheueren Verkehrslast musste die Bevölkerung des kleinen Ortes über 25 Jahre leiden. Die Wende kam erst 1985 mit dem neu erbauten Grenzübergang Bienwald. Doch damit kam der Ort nicht zur Ruhe. Die nur wenige hundert Meter vom Ort entfernt gelegene, 1975 eröffnete Kreismülldeponie, wurde tagtäglich mit schweren Mülltransportern beliefert. Neben dem zuweilen unerträglichen Gestank des Deponiekörpers hatten die Einwohner unter dem Verkehr der vielen Müllfahrzeuge zu leiden. Gegen die Einrichtung dieser Deponie hatte sich damals niemand gewehrt. Sie hätte an diesem Standort niemals errichtet werden dürfen. Die Deponie, die heute über 500.000 Tonnen Müll beherbergt, wird noch auf Jahre hinaus eine tickende Zeitbombe bleiben. Geht man von einer mittleren Transportkapazität eines Müllfahrzeuges von ca. 10 Tonnen aus, so haben in den vergangenen Jahren weitere 50.000 Müll-LKW Neulauterburg passiert. Eine unglaubliche Verkehrsbelastung für einen so kleinen Ort.

Nachdem der Hausmüll nun in der Müllverbrennungsanlage beseitigt wird, dachten wir, endlich einmal aufatmen zu können. Die Deponie wurde zwar nicht endgültig geschlossen (für die nächsten ca. 20 Jahre wird die Deponie noch zur Aufnahme von u.a. schwach kontaminiertem Erdreich zur Verfügung stehen), doch der immense LKW-Verkehr nahm merklich ab. Doch die Sorgen der Bevölkerung blieben und bekamen neue Nahrung, dieses Mal in Form eines Gewerbegebietes. Wie schon in der Vergangenheit üblich, erinnerte sich der Berger Rat mit seinem Bürgermeister an der Spitze an Neulauterburg immer dann, wenn man etwas in Berg nicht haben wollte. Die leidensfähigen (und natürlich zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallenden) Neulauterburger sollten mit einem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet gesegnet werden, und zwar am besten mitten im Ort. Der einzige Vollerwerbslandwirt fürchtet um seine Existenz, wenn er von Wohnbebauung förmlich umzingelt würde, da die Emissionen, die von seinem Betrieb ausgingen, sicherlich nicht jedem schmecken würden. Zudem hatten die Planer nach “Gutsherrenart” eine Straße quer über sein landwirtschaftliches Anwesen vorgesehen.

Anlässlich eines Ortstermins mit dem Bauausschuss am 30.6.1998 hat der Bürgermeister deutlich gemacht, dass trotz der vorgetragenen Bedenken, die Interessen der Neulauterburger (wörtlich) “in zweiter Reihe stehen”. Dies war die Geburtsstunde der Interessengemeinschaft Neulauterburg.
Denn irgendwann platzt auch dem gutmütigsten Bürger einmal der Kragen! Das Echo auf die Einwohnerversammlung war eindeutig, die Anwesenden sind nicht gegen eine generelle, behutsame Weiterentwicklung des Ortes. Sie lehnen aber eine Entwicklung Neulauterburgs in dieser Form ab! Deshalb wurde eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen mit dem Auftrag, die Interessen der Neulauterburger nach außen zu vertreten und der jetzigen Entwicklung entgegenzuwirken.

Die beiden Initiatoren der Neulauterburger Interessengemeinschaft

Reaktionen der Neulauterburger in Form von Leserbriefen
Appel an den Gemeinderat anlässlich der Entscheidung über den Aufstellungsbeschluss

Die Mehrheit der Neulauterburger Familien hatte Einsprüche gegen den Bebauungsplan erhoben.
Die Weiterführung des Bebauungsplanes “Europäisches Viertel I” wurde im Hinblick auf die vorgebrachten Anregungen/Bedenken im Rahmen der öffentlichen Auslegung vom Ortsgemeinderat am 19.11.2002 zurückgestellt.
Der Ortsgemeinderat hat nun am 25.11.2003 beschlossen, aus Gründen der Verkehrssicherheit den Kreuzungsbereich am Grenzübergang aus dem o.g. Bebauungsplan herauszunehmen und unter dem Namen “Kreisverkehrsplatz Neulauterburg weiterzuführen. Es bleibt abzuwarten, welche Überraschungen uns da wieder erwarten...

“Kaum Nachfrage nach Gewerbegebieten”
So lautet ein Artikel in der Tageszeitung “DIE RHEINPFALZ” vom 09.12.2004. Im Bereich der Rhein-Neckar-Region, zu der auch die gesamte Vorderpfalz und die Südpfalz gehören, gibt es derzeit kaum Nachfrage bei Gewerbeflächen. Nach Angaben der Planungsgemeinschaft Rheinpfalz werden derzeit 1412 Hektar an vermarktbaren Arealen in der Gewerbeflächendatenbank der Region angeboten, ohne daß sich dafür Abnehmer finden. Dabei handelt es sich unter anderem um komplett erschlossene Gewerbeflächen mit hervorragenden Infrastrukturbedingungen, teils zu Quadratmeterpreisen zwischen sechs und elf Euro.

Aber auch das interessiert in Berg nicht. Es wird weitergeplant. Schließlich gibt es ja mittlerweile angeblich immerhin einen (!) Interessenten für den Bau eines Supermarktes!

Entwicklung Juli 2004: Inzwischen wurden viele Steuergelder für Planungen ausgegeben, ohne daß das Gewerbegebiet erschlossen werden konnte. Bislang hat auch kein einziger Eigentümer sein Land verkauft. Die angeblich immer dagewesene Nachfrage nach Gewerbegrundstücken konnte bis heute nicht bewiesen werden. Alle uns Anwohnern gemachten Versprechungen (Umgehungsstraße, Kreisel am Ortseingang, Verkehrsberuhigung) wurden nach und nach einkassiert, genau wie von uns engagierten Neulauterburgern vorhergesagt. Der vieldiskutierte und als “Tor zu Deutschland” gedachte Europaplatz war eine politische Seifenblase.
Der visionäre Bürgermeister trat zu den Kommunalwahlen am 13.06.2004 nicht mehr an. Ob der neue Amtsinhaber den Mut hat, alte Fehler zu korrigieren, bleibt abzuwarten.

Entwicklung April 2006: Der neugewählte Gemeinderat hat die Verwirklichung des Gewerbegebietes in den letzten eineinhalb Jahren weiter vorangetrieben. Mit dem Bau eines Lebensmittelmarktes ist noch in diesem Jahr zu rechnen. Wie es mit dem alten Zollübergang weitergeht wissen wir nicht.

Entwicklung September 2007: Das Gewerbegebiet ist mittlerweile errichtet. Im September 2007 eröffnete der erste Lebensmittelmarkt. Allerdings ist noch immer kein einziger (Berger) Gewerbetreibender in Sicht. Für diese sollte das Gewerbegebiet ja ursprünglich geschaffen werden. Damit haben sich die ursprünglichen Befürchtungen der Interessengemeinschaft bestätigt, dass nämlich kein Bedarf besteht. Aus dem Gewerbegebiet wird wohl ein Versorgungsgebiet.

Entwicklung Januar 2010: Kein Berger Gewerbebetrieb ist bislang angesiedelt worden. Der Penny läuft super, nicht zuletzt wegen den Kunden aus dem Elsaß. Die Gemeinde sucht weiter nach Interessenten für das Gewerbegebiet.

Entwicklung März 2012: Es ist inzwischen zu einer Häufung von Verkaufsflächen gekommen, die mit den Zielen der Raumordnung nicht übereinstimmen. Übergeordneten Behördenforderungen, weitere Verkaufsflächen für innenstadtrelevante Sortimente im Gewerbegebiet auszuschliessen, wurde mit einer erneuten Änderung des Bebauungsplanes Rechnung getragen. Ein Beweis mehr für unsere anfänglichen Bedenken.

Entwicklung August 2014: Der geplante Kreisel am Grenzübergang wird aus Kostengründen nicht gebaut. Aus dem häufig bemühten “Tor nach Deutschland” wird ebenfalls nichts. Die dafür mögliche Fläche neben dem Grenzübergang wurde von der Gemeinde Berg erworben um sie mit drei Häusern zu bebauen. So sieht man künftig von Frankreich kommend nicht mehr die Fassade von drei historischen Fachwerkhäusern, sondern die Hinterhöfe von drei Neubauten. Wieder mal eine städtebauliche Glanzleistung mehr!

Die Berichterstattung in der Tageszeitung DIE RHEINPFALZ zu Themen über Neulauterburg können Sie dem Pressespiegel vom Gemeinderat Berg entnehmen (siehe dort unter Politik - Ratssitzungen).