Leserbrief in der RHEINPFALZ vom 26.06.2001

“Europäisches Viertel“ Neulauterburg

“Planungswut gefährdet bäuerliche Existenz“
Zum Bericht vom 21. Juni “Heiße Debatte um Ausgleichsflächen:

Was drei Jahre vom Tisch war, taucht auf wundersame Weise wieder auf: Neulauterburg braucht dringend ein “Europäisches Viertel“. Der Bebauungsplan muss bis Ende August unter Dach und Fach sein. Da nimmt man schon mal in Kauf, dass die Gemeinderatsmitglieder mit kurzfristigen Vorlagen konfrontiert und ungenügend vorbereitete Pläne präsentiert werden. In den Sitzungen wird dann um Geschoss- und Grundflächenzahlen gefeilscht wie auf einem Basar. Und die Damen und Herren Mandatsträger stimmen – wie gewohnt – allem zu. Zumindest zwei von ihnen hatten diesmal den Mut, sich zu enthalten. Warum plötzlich diese Eile? Die Berger Planungswut muss finanziert werden. Angesichts ohnehin leerer Kassen erhofft man sich noch Geld aus dem dieses Jahr auslaufenden Interreg II-Programm der Europäischen Union. Damit könnte die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für (...) Architekten fremdfinanziert werden. Was dabei völlig auf der Strecke bleibt, ist die Realität. Bereits das Gewerbegebiet “Mühläcker“ verschlingt gut vier Hektar landwirtschaftliche Fläche, das „Europäische Viertel“ weitere drei Hektar. Ökologisch wertvolle Streuobstwiesen werden geopfert. Dem stimmte sogar die Vertreterin der Grünen zu. Aber in Berg wundert einem nichts mehr. Für Ausgleichsmaßnahmen werden zusätzlich drei Hektar Land benötigt. Dem einzigen Neulauterburger Vollerwerbslandwirt wird so nach und nach die Existenzgrundlage entzogen. Ein Wohngebiet, das bis direkt an seinen Betrieb herangeführt wird, birgt sozialen Sprengstoff. Erst wird hingebaut, dann werden die Gerichte bemüht. Auseinandersetzungen um Lärm und Gestank aus dem bäuerlichen Betrieb sind vorprogrammiert. Da tröstet es wenig, wenn die Realisierung des Projektes in Stufen erfolgen soll.
Dass der Landwirt mit seinen Nerven am Ende ist, scheint den Verantwortlichen völlig egal zu sein. Dass es keinen zusätzlichen Bedarf an Wohnraum in Neulauterburg in diesen Dimensionen gibt, ebenfalls. Seit Jahren schon kann ein vollerschlossener Bauplatz an gleicher Stelle nicht verkauft werden. Wer möchte schon von der Terrasse aus auf Misthaufen und die Kreismülldeponie blicken? Es wäre völlig ausreichend, die Baulücken in der Kandeler Straße zu schließen. Aber kleine, vernünftige und vor allem existenzerhaltende Maßnahmen haben im Berger Größenwahn keinen Platz. Wenn nicht in letzter Minute die Vernunft in den Köpfen der Räte siegt, deutet vieles darauf hin, dass nun auch Anwälte und Gerichte beschäftigt werden.   
Anton Petschner, Neulauterbur
g

 

Leserbrief in der RHEINPFALZ vom 23.03.1999

“Wieder alleine zu ertragen“
Zum geplanten Gewerbegebiet in Neulauterburg

Nun ist es also amtlich: Was keiner haben wollte, bekommen mal wieder die Neulauterburger Bürger vor die Nase gesetzt. Zu beanstanden ist dies natürlich nicht, denn die Entscheidung kam -ohne Neulauterburger Beteiligung- demokratisch und einstimmig zustande. Ein “runder Tisch“ mit Mitgliedern des Bauausschusses und den Berger Vertretern des Verbandsgemeinderates wurde gebildet. Zwei Einwohnerversammlungen befaßten sich mit den Planungen.
Nur: an dem “runden Tisch“ saß kein einziger Bürger aus Neulauterburg und bei den Einwohnerversammlungen war außer dem Bürgermeister und seinem Beigeordneten kein einziges Berger Ratsmitglied anwesend. Welch ein Armutszeugnis! Woher wollen die Damen und Herren Gemeinderäte eigentlich wissen, welche Ängste die Neulauterburger im Hinblick auf das neue Gewerbegebiet haben? Die Vermutung drängt sich auf, daß sie dies überhaupt nicht interessiert.
Vergessen sind die über 30 Jahre währenden Verkehrsbelastungen durch den größten Zollübergang in Rheinland- Pfalz, vergessen ist der jahrelange Verkehrsterror durch die zahllosen Lastwägen, die über 500.000 Tonnen Müll durch den kleinen Ort zur Kreismülldeponie brachten. Man vergißt schnell, wenn man etwas nicht selbst miterlebt hat. Es interessiert keinen, daß Neulauterburg bereits jetzt überproportional mit Gewerbe belastet ist. Zehn reinen Wohnhäusern stehen zwölf gewerblich genutzte Anwesen gegenüber. Wir haben im Norden die künftige Bienwaldautobahn, im Westen die Mülldeponie, im Süden die Lauterburger Mehrzweckhalle und nun im Osten das geplante Gewerbegebiet. Wir fühlen uns von Gewerbe förmlich erdrückt. Die zu erwartenden Verkehrs- und Emissionsbelastungen werden wieder durch die Neulauterburger alleine zu ertragen sein.
Wir möchten nicht ewig die leidgeprüfte Bevölkerungsminderheit sein, der man alles zumuten kann. Deswegen wehren wir uns so vehement gegen die Berger Pläne. Aufgezeigte Alternativen in Berger Ortsnähe wurden mit denselben Argumenten vom Tisch gewischt, die auch die Neulauterburger Bürger für sich in Anspruch genommen und vorgetragen haben. Obwohl manche Ratsmitglieder scheinbar Verständnis für unsere Situation zeigten, hoben sie dann doch mit Krokodilstränen in den Augen die Hand zum Schwur. Mit dem vielen Geld, das bereits jetzt für alle möglichen Planungen in Neulauterburg ausgegeben wurde, hätte man auch, so wie im elsässischen Lauterburg, etwas für das Aussehen des Ortsteils tun können.
Eine “Visitenkarte“ sind wir so wahrlich nicht! Neulauterburg hätte es verdient gehabt, endlich zur Ruhe zu kommen. Die Berger Administration zeigt zumindest in einem Punkt Kontinuität: Sie stellt die Leidensfähigkeit der Neulauterburger erneut auf eine harte Probe! 
Siegfried Siedow, Anton Petschner, Neulauterbur
g

 

Leserbrief in der RHEINPFALZ vom 18.10.1995

“Zur Mülltonne Europas geworden“
Zum Bericht vom 7. Oktober “Grenzgemeinde will Betriebe anlocken:

Auf allgemeinen Widerstand stößt beim Großteil der Neulauterburger Bürger die in Rede stehende Ausweisung von 39.000 Quadratmetern Wohn- und Gewerbeflächen, insbesondere entlang der Kandeler Straße, also quasi mitten im Ortsteil.
Soweit es hierfür vielleicht auch nur einen echten (Berger) Bedarf geben sollte, sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, wieso die für erforderlich gehaltene Auslagerung des Betriebes aus dem Ortskern von Berg und die damit einhergehenden Emissionen, zwar nicht länger den Berger, nunmehr aber wohl den Neulauterburger Bürgern zugemutet werden soll.
Vielleicht deshalb, weil dem kleinen Ortsteil und seinen Einwohnern in der Vergangenheit schon so vieles zugemutet wurde und sich die Neulauterburger stets als sehr leidensfähig erwiesen und vieles klaglos hingenommen haben. Ein Ratsmitglied sieht in der Planung zum Europaplatz kein Symbol für Europa. Für uns Neulauterburger hat der “Europaplatz“ an der Scheibenhardter Straße jedoch schon jahrzehntelang Symbolcharakter für ge- und erlebtes Europa. Und zwar als “Parkplatz Europas“ für Lkws aus allen ost- und westeuropäischen Ländern mit all den typischen Begleiterscheinungen (z.B. warmlaufende, dröhnende Lkw-Motore, tag- und nacht surrende Kühlaggregate, Schreie halbverdursteter Tiere in unmenschlichen Transporten).
Als “Herz“ Europas sehen sich die Neulauterburger auch angesichts der jahrzehntelangen katastrophalen Verkehrsverhältnisse. Es kann der Gemeinde nicht angelastet werden, dass eine mengenmäßige Reduzierung des Verkehrs bislang ausblieb. Wohl aber, dass keine Maßnahmen zur Reduzierung der Geschwindigkeit innerorts getroffen wurden. Wieso erfolgten bislang keine Geschwindigkeitskontrollen? Muss erst ein überfahrenes Kind mehr Problembewußtsein im Berger Rat schaffen?
Sobald eine Heimsuchung überstanden schien, folgte eine neue: Auf Sandlaster folgten Müllautos, auf einer eingeebneten wilden Müllkippe auf französischer Seite direkt am Ortsausgang wird nun eine riesige Mehrzweckhalle mit Schießständen errichtet. Auch dagegen konnte der Berger Rat angeblich nichts unternehmen. So stieg man in den Jahren vom “Herzen“ Europas zur “Mülltonne“ Europas herab.
Ein Bebauungsgebiet in diesen Dimensionen will kein Neulauterburger haben. Außer vielleicht die wenigen, die sich daran eine goldene Nase verdienen. So war es schon, als die Kreismülldeponie hier angesiedelt wurde. Die Verantwortlichen im Berger Rat haben daraus offensichtlich nichts gelernt. Unsere Väter haben dazu geschwiegen, die Söhne werden es nicht.
Die Neulauterburger möchten nicht weiter von Europa erobert werden. Sie möchten sich von dem bereits real erlebten Europa endlich erholen. Wir verzichten deshalb dankend auf einen Europaplatz, wenn dieser nur zum Preis von Gewerbegebieten zu haben sein sollte!“  
Anton Petschner, Neulauterburg