Appell an den Berger Gemeinderat vom 16.03.1999

Gewerbegebiet Neulauterburg

Sehr geehrtes Mitglied des Berger Gemeinderates,

Sie sollen heute über den Aufstellungsbeschluß für ein Gewerbegebiet in Neulauterburg entscheiden. Wir Neulauterburger sind über diese Planungen in großer Sorge.

Sie wissen, dass wir über 30 Jahre enorme Verkehrsbelastungen durch den Zollübergang hatten. Bis zu 50.000 LKW passierten in Spitzenzeiten Neulauterburg. Dann folgte jahrelanger Verkehrsterror durch die Müll-Laster, von den Geruchsbelästigungen ganz zu schweigen. Die Deponie selbst birgt noch heute Gefahren, die nicht absehbar sind.

Bereits jetzt ist Neulauterburg überproportional mit Gewerbe belastet. Zehn reinen Wohnhäusern stehen zwölf gewerblich genutzte Anwesen gegenüber. Wir haben im Norden die künftige Bienwaldautobahn, im Westen die Mülldeponie, im Süden die Lauterburger Mehrzweckhalle und nun im Osten das geplante Gewerbegebiet.

Verstehen Sie bitte, dass wir uns von Gewerbe förmlich erdrückt fühlen. Die zu erwartende Verkehrs- und Emissionsbelastung wird wieder durch uns alleine zu ertragen sein. Wir möchten nicht ewig die leidgeprüfte Bevölkerungsminderheit sein, der man alles zumuten kann. Deswegen wehren wir uns so vehement gegen die Berger Pläne.

Im übrigen sehen wir auch die Notwendigkeit für dieses Gewerbegebiet nicht. Der einzige Berger Betrieb, der immer als Alibi diente, wird auf dem Bauhof Sitter unterkommen. Die Neulauterburger Tankstelle könnte ohne Probleme am Ortseingang entstehen. Und auf dem gemeindeeigenen Gelände entlang der Hagenbacher Straße könnten weitere Interessenten untergebracht werden. Wozu also ein Gewerbegebiet, das nach Aussage des Bürgermeisters auch bis zur Gärtnerei Bösherz ausgedehnt werden könnte! Und wozu auf einer Fläche, die bis zuletzt sogar selbst vom Bürgermeister als völlig ungeeigneter Standort angesehen wurde?

Welcher Berger Betrieb kann sich Flächen von 2.500 bis 4.000 qm zu einem Preis von mindestens 100,-DM/qm (Aussage des Bürgermeisters) überhaupt leisten? Und welcher fremde Betrieb siedelt sich hier an, wenn wenige Kilometer weiter Preise unter 20,- DM/qm verlangt werden?

Mit dem vielen Geld, das bereits jetzt für alle möglichen Planungen in Neulauterburg ausgegeben wurde, hätte man auch, so wie in Lauterburg, etwas für das Aussehen des Ortsteils tun können. Eine “Visitenkarte” sind wir so wahrlich nicht!

Wir bitten Sie deshalb von ganzem Herzen, die Entscheidung gut zu überlegen. Die Neulauterburger hätten es verdient, endlich zur Ruhe zu kommen.

Neulauterburg, 16.03.1999

gez. Anton Petschner, Siegfried Siedow, Dieter Barth, Annette Schönlaub, Christoph Latt

 

Anmerkung:
Der Rat hat in seiner damaligen Sitzung -wie befürchtet- das Projekt einstimmig angenommen!